Heute ist der Höhepunkt der dritten Hitzewelle dieses Sommers. Der Deutsche Wetterdienst sagt für Frankfurt am Freitag bis zu 37 Grad voraus, in den Niederungen im Westen und Südwesten sind örtlich 39 Grad möglich. Die Nächte kühlen kaum ab, im Stadtgebiet sinken die Temperaturen teils nur auf 23 Grad. Am Wochenende zieht eine Kaltfront mit Gewittern und Starkregen auf. Das ändert am Muster dieses Sommers nichts. Juni und Juli 2026 waren laut dem EU-Klimadienst Copernicus die heißesten Monate, die Westeuropa je verzeichnet hat. Im August sind bislang deutschlandweit rund neun Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, etwa zehn Prozent des langjährigen Solls.

Ich schreibe das nicht, weil ich über Wetter reden will. Ich schreibe es, weil die Zahlen in diesem Jahr anders sind. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass von April bis Anfang August 2026 in Deutschland rund 12.500 Menschen hitzebedingt gestorben sind. Damit ist 2026 das tödlichste Hitzejahr seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1992. Die bisherigen Rekordjahre 1994 und 2003 kamen auf jeweils 10.200 geschätzte Fälle. Allein auf die heißen Tage in der zweiten Junihälfte gehen rund 9.600 der Todesfälle zurück, als vielerorts Temperaturen um 40 Grad und örtlich über 41 Grad gemessen wurden. Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni war nach DWD-Angaben die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen.

Was die Zahlen sagen

Die Schwelle ist niedriger, als man denkt. Das RKI erwartet ab einer bundesweiten Wochenmitteltemperatur von 20 Grad einen deutlichen Anstieg der Sterblichkeit. Hitze tötet selten direkt. In den meisten Fällen wirkt sie zusammen mit bestehenden Vorerkrankungen, deshalb steht auf dem Totenschein meist nicht Hitze als Ursache. Betroffen sind vor allem ältere Menschen: Rund die Hälfte der Hitzetoten war älter als 85 Jahre, 90 Prozent waren älter als 65. Mehr Frauen als Männer sterben hitzebedingt, was mit dem höheren Frauenanteil in den älteren Altersgruppen zusammenhängt.

Der Vergleich mit früheren Jahren zeigt, wie außergewöhnlich dieser Sommer ist. Bis zur Kalenderwoche 30 zählte das RKI 2025 rund 1.620 hitzebedingte Sterbefälle, 2024 waren es 1.210, 2023 rund 1.600. In diesem Jahr liegt die Schätzung im selben Zeitraum zwischen 11.200 und 13.600 Fällen, der Mittelwert bei 12.500. Die Zahlen der letzten Wochen können sich durch Nachmeldungen noch leicht ändern. Die Richtung ist eindeutig.

Warum Frankfurt so heiß wird

Frankfurt gehört zu den wärmsten Städten Deutschlands, und das ist kein Zufall. Die Stadt arbeitet seit Jahren mit dem Deutschen Wetterdienst an einer Hitzekarte. Das Ergebnis: Zwischen der Innenstadt und den äußeren Stadtteilen können bis zu zehn Grad Unterschied liegen. Beton, Asphalt und Fassaden speichern die Wärme des Tages und geben sie nachts wieder ab. Genau deshalb bleiben die Nächte in der City so warm. Hinzu kommt, dass kaum Wind die Luft durchmischt, die Hochhäuser bremsen ihn zusätzlich.

Das Global Center on Adaptation hat Frankfurt als eine der am besten vorbereiteten Städte der Welt für Hitzeschutz beschrieben, mit Luftleitbahnen, Grünflächen und klaren Regeln. Die Stadt hat Luftkorridore festgelegt, in denen keine hohen Gebäude entstehen dürfen, damit kühle Luft vom Rand in die Mitte strömen kann. Der Korridor entlang der Nidda kann an heißen Nächten schätzungsweise bis zu 40.000 Kubikmeter kühle Luft in zentrale Bereiche leiten. Dazu kommen die Bäume: Über die Hälfte des Stadtgebiets ist unbebaut, Frankfurt besitzt den größten Stadtwald Deutschlands und gehört laut dem Treepedia-Projekt des MIT zu den zehn Städten der Welt mit dem meisten Baumbestand. Im Schnitt wohnen die Bewohnerinnen und Bewohner weniger als 100 Meter von einer Grünfläche entfernt.

Das alles hilft. Es reicht nicht. An Tagen wie heute zeigt die Hitzekarte trotzdem rote Flecken über der Zeil, der Konstablerwache und dem Bahnhofsviertel.

Was die Stadt gerade tut

Seit dieser Woche stehen zwei Kühlbusse am Willy-Brandt-Platz. Die Johanniter-Unfall-Hilfe Rhein-Main betreibt sie zusammen mit der Stadt Frankfurt, ausgestattet mit mobilen Klimaanlagen. Jeder Bus bietet Platz für rund 40 Menschen. Geöffnet sind die Busse täglich von 13 bis 19 Uhr, bis Ende August. Täglich kommen nach Angaben der Johanniter 100 bis 300 Menschen, darunter Senioren, Familien und Menschen in der Mittagspause. Wer vorbeikommt, bekommt Wasser, und die Helferinnen und Helfer geben Hinweise auf medizinische Hilfe und sichere Schlafplätze.

Das Angebot richtet sich besonders an wohnungslose Menschen. Für sie ist Hitze lebensgefährlich, weil sie kaum Schatten und kaum kühle Orte finden. Michael Beisenherz, 34 Jahre, kommt aus Stuttgart und ist nach Frankfurt gezogen. Er sagt, es gebe wenig Schatten und wenige kühle Orte, an denen er Schutz suchen könne. Jürgen Wolff, 62 Jahre, wünscht sich mehr solcher Wagen. „Es könnten vier bis fünf solcher Busse in Frankfurt sein", sagt er.

Monika Gorny, Pressesprecherin der Johanniter-Unfall-Hilfe Rhein-Main, beschreibt den Nebeneffekt so: Die Busse seien ein Ort zum Abkühlen und zugleich ein Ort der Begegnung. Das klingt weich, ist aber wichtig. Hitze isoliert. Wer draußen lebt, zieht sich in den Schatten zurück und verschwindet aus dem Blick. Ein Ort, an dem man einfach sitzen darf, fängt das auf.

Die Klimaanlagen-Frage

Die naheliegende Antwort auf Hitze in der Wohnung ist die Klimaanlage, und der Markt wächst schnell. Laut Clean Energy Wire besaßen 2024 fast 19 Prozent der deutschen Haushalte ein Klimagerät, nach 13 Prozent im Jahr 2023. Weitere 19 Prozent planen einen Kauf. Die heimische Produktion stieg 2024 um 75 Prozent gegenüber 2019, die Importe erreichten fast eine Milliarde Euro. Ein einfaches mobiles Gerät kostet um die 300 Euro.

Doch die Klimaanlage ist keine saubere Lösung. Die Geräte nutzen Kältemittel auf HFC-Basis, die die Europäische Kommission als starke Treibhausgase einstuft. Die Deutsche Umwelthilfe nennt sie versteckte Klimakiller. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sagt: „Die Emissionen schädlicher Kältemittel heizen den Planeten weiter auf, was wiederum mehr Kühlbedarf erzeugt." Dazu kommt der Stromverbrauch, der an heißen Tagen genau dann steigt, wenn das Netz belastet ist.

Verbraucherschützer und die Stiftung Warentest raten deshalb zur Vorsicht. Mobile Geräte ohne Abluftschlauch kühlen kaum, Geräte mit Schlauch senken die Effizienz. Wer kaufen will, sollte auf die Energieeffizienzklasse achten und den Stromverbrauch einrechnen. Und wer in einer Mietwohnung wohnt, braucht für den Einbau eines Splitgeräts die Erlaubnis der Vermieterin oder des Vermieters.

Die Hitze am Arbeitsplatz

Die Gewerkschaften machen Druck. DGB-Chefin Yasmin Fahimi fordert von der Bundesregierung Regeln, die Beschäftigte entschädigen, wenn sie wegen extremer Hitze nicht arbeiten können, vergleichbar mit dem Kurzarbeitergeld. Sie verweist auf Pflegekräfte, Paketboten und Rettungskräfte, die draußen oder unter Zeitdruck arbeiten. Fahimi sagt, mehr heiße Tage pro Jahr bedeuteten mehr gesundheitliche Belastung und ein höheres Unfallrisiko. Hitzeschutz müsse fester Bestandteil der betrieblichen Arbeitsschutzorganisation werden, keine freiwillige Maßnahme.

Diese Debatte wird im Herbst weitergehen, wenn die Sommerbilanz auf dem Tisch liegt. Der Ausgang ist offen. Aber die Forderung zeigt, dass Hitze nicht mehr nur ein Wetterthema ist, sondern eine Arbeitsrechtsfrage.

Was du tun kannst

Die ehrliche Antwort: viel trinken, Schatten suchen, die Mittagshitze meiden, auf ältere Menschen in deiner Nachbarschaft achten. Das klingt banal, und es ist banal. Es ist trotzdem das, was die meisten Todesfälle verhindert, denn 90 Prozent der Betroffenen sind älter als 65 Jahre. Ein Anruf bei der Nachbarin, die allein in der Dachgeschosswohnung lebt, kostet zwei Minuten.

In Frankfurt hast du gute öffentliche Rückzugsorte: den Stadtwald, die Mainufer, die Parks. Und bis Ende August die Kühlbusse am Willy-Brandt-Platz. Wenn du zu Hause keine Klimaanlage hast, hilft es, nachts durchzulüften, tagsüber die Rollläden unten zu lassen und Geräte, die Wärme abgeben, auszuschalten. Das ist kein Ersatz für Kühlung, aber es senkt die Temperatur in der Wohnung um einige Grade.

Was du nicht tun solltest: dich auf den nächsten Sommer verlassen. Die Prognosen gehen in eine Richtung, und die Städte, die sich vorbereiten, werden es einfacher haben. Frankfurt hat damit begonnen, mit Luftleitbahnen, Bäumen und den Kühlbussen. Die Frage ist, ob das Tempo reicht. Die Zahlen dieses Sommers sagen: eher nicht.

Die Fachbegriffe dazu stehen im Wissensindex, mit der Definition der Hitzeinsel und der Checkliste: Wohnung bei Hitze kühlen.

Quellen

Alle Zahlen und Zitate stammen aus den genannten Quellen, Stand 14. August 2026.

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