Versicherungen gehören zu den unangenehmsten Ausgaben des Monats. Du bezahlst für etwas, das du hoffentlich nie brauchst. Gleichzeitig kursieren zwei Extreme. Die einen versichern jeden Toaster, die anderen verzichten auf alles und hoffen auf Glück. Die Wahrheit liegt dazwischen, und sie ist einfacher, als die Werbung glauben macht.

Dieser Artikel hilft dir, deinen Versicherungsbestand einmal nüchtern durchzugehen. Nicht mit dem Ziel, möglichst viele Policen zu behalten. Sondern mit dem Ziel, dass jeder Euro eine klare Aufgabe hat.

Der Kern: Die drei Fragen an jede Versicherung

Bevor du über einzelne Policen nachdenkst, stelle jede Versicherung auf den Prüfstand. Drei Fragen reichen:

  1. Kann der Schaden meine Existenz gefährden? Ein Schaden von mehreren Hunderttausend Euro kann dich finanziell ruinieren. Etwa wenn du jemanden schwer verletzt oder eine fremde Wohnung verwüstest. Solche Risiken willst du versichern.
  2. Kann ich den Schaden selbst tragen? Ein kaputtes Fahrrad, eine gestohlene Kaffeemaschine, eine zerkratzte Brille. Das sind Beträge, die wehtun, aber nicht ruinieren. Wer solche Kleinschäden versichert, zahlt oft mehr Beiträge, als er je zurückbekommt.
  3. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit wirklich? Manche Policen versichern Ereignisse, die so selten sind, dass der Beitrag fast sicher verlorenes Geld ist. Andere versichern Risiken, die statistisch jeden treffen können.

Mit diesen drei Fragen arbeitest du jede Vertragsmappe durch. Auch die, die dir ein Verkäufer am Telefon schmackhaft machen will.

Die eine Versicherung, die wirklich jeder braucht

Die Privathaftpflichtversicherung ist die wichtigste Police überhaupt. Sie zahlt, wenn du anderen Menschen einen Schaden zufügst. Die umgeworfene Vase bei Freunden, der zerkratzte Lack am fremden Auto, ein Sturz, den du versehentlich verursachst. Genau hier drohen Summen, die ein normales Einkommen jahrzehntelang belasten.

Der Clou: Diese Versicherung ist günstig. Ein Single zahlt meist zwischen 60 und 90 Euro im Jahr, eine Familie selten mehr als 120 Euro. Dafür gibt es Deckungssummen von mehreren Millionen Euro. Wer diese Police nicht hat, spart am falschen Ende. Das sagen unabhängige Verbraucherorganisationen seit Jahrzehnten übereinstimmend.

Die zweite Stufe: Was sich lohnt und was nicht

Die Hausratversicherung ersetzt den Inhalt deiner Wohnung nach Einbruch, Feuer, Leitungswasser oder Sturm. Sie ist keine Pflicht, aber für viele Haushalte sinnvoll. Vor allem, wenn der Wiederbeschaffungswert deines Besitzes deutlich über deinen Ersparnissen liegt. Jung, ohne teure Möbel, mit wenig Elektronik? Dann darfst du sie getrost aufschieben. In einer Altbauwohnung in Sachsenhausen mit guter Küche und zwei Arbeitszimmern sieht das anders aus. Entscheidend ist der tatsächliche Wert deines Hausrats. Nicht der, den der Vermieter in seinem Mustervertrag vorschlägt.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist die ehrlich komplizierteste Entscheidung. Sie zahlt eine Rente, wenn du deinen Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben kannst. Genau dieses Risiko ist realer, als junge Menschen glauben. Das Problem: Gute Policen kosten je nach Alter und Beruf schnell 50 bis 100 Euro im Monat, und die Bedingungen unterscheiden sich stark. Hier gilt: erst Angebote vergleichen, die Gesundheitsfragen ehrlich beantworten und notfalls eine Beratung einplanen. Oder bewusst entscheiden, das Risiko anders abzusichern. Etwa über Rücklagen und eine schuldenfreie Lebensführung. Beides ist vertretbar. Nicht vertretbar ist, den Vertrag einfach aus Bequemlichkeit liegen zu lassen.

Die Rechtsschutzversicherung polarisiert. Sie zahlt Anwalts- und Gerichtskosten, wenn du dein Recht durchsetzen willst. Klingt gut, kostet aber schnell 200 bis 400 Euro im Jahr. Und viele Streitigkeiten enden ohnehin vorher. Sinnvoll ist sie vor allem, wenn du regelmäßig mit Verträgen, Vermietern oder dem Arbeitgeber zu tun hast. Wer selten Konflikte hat, kann auf sie verzichten und stattdessen Rücklagen bilden.

Was die Werbung nicht erzählt

Zwei Vertragstypen solltest du mit besonderer Skepsis prüfen: Restschuldversicherungen, die Kredite absichern, und Sterbegeldversicherungen. Beide werden oft am Kredit- oder Verkaufstresen mitverkauft. Sie sind teuer und decken Risiken ab, die meist schon anderweitig versichert sind. Die Provisionen sind hoch. Das erklärt die Hartnäckigkeit, mit der sie angeboten werden.

Auch die Zahnzusatzversicherung ist kein Automatismus. Sie lohnt sich, wenn du realistisch mit hohen Zahnarztkosten rechnest. Etwa wegen bekannter Zahnprobleme. Wer gesunde Zähne hat und regelmäßig zur Vorsorge geht, kann das Risiko oft selbst tragen. Vergleiche hier genau: Manche Tarife zahlen bei teuren Behandlungen nur kleine Prozentsätze.

Der jährliche Zehn-Minuten-Check

Einmal im Jahr, am besten zum Jahreswechsel, investierst du zehn Minuten. So geht der Check:

  • Sammle alle Policen und notiere Beitrag und Leistung.
  • Streiche Verträge, die bei Frage zwei oder drei durchfallen.
  • Prüfe, ob sich Lebensumstände geändert haben. Neue Wohnung, neues Auto, Kind, Selbstständigkeit.
  • Vergleiche die Preise deiner Haftpflicht- und Hausratpolice im Internet. Gerade bei Haftpflicht unterscheiden sich die Beiträge für identische Leistungen oft um 30 Prozent und mehr.
  • Kündige alte Verträge erst, wenn der neue schriftlich bestätigt ist.

Kurz gesagt

Eine Haftpflicht gehört in jeden Haushalt. Hausrat und Berufsunfähigkeit sind bewusste Entscheidungen nach Lebenslage. Rechtsschutz ist optional. Alles andere sollte sich vor den drei Fragen rechtfertigen können. Oder es fliegt raus.

Was bedeutet das für mich?

Konkret heißt das: Nimm deine Versicherungsmappe, beantworte für jede Police die drei Fragen und schreibe neben jede Zeile „behalten“, „prüfen“ oder „kündigen“. Die meisten Haushalte finden dabei ein bis drei Verträge, die sie nicht brauchen. Und sparen damit oft mehrere hundert Euro im Jahr, ohne das Risiko zu erhöhen. Die gesparten Beiträge dienen als Rücklage für genau die Schäden, die du bewusst selbst trägst.

Quellen

Allgemeine Information, keine individuelle Versicherungs- oder Finanzberatung. Beiträge und Bedingungen variieren je nach Anbieter und persönlicher Situation.

Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Information und keine individuelle Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Ansprüche und Bedingungen können sich ändern; prüfe Angebote vor Abschluss selbst oder lass dich unabhängig beraten.

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