Samstagmorgen am Frankfurter Hauptbahnhof oder Südbahnhof: Wer an sonnigen Herbstwochenenden mit dem Auto in den Taunus oder an die Bergstraße aufbricht, steht verlässlich ab 10 Uhr im Stau. Am Großen Feldberg, am Opel-Zoo oder an den Ausflugsparkplätzen im Rheingau herrscht Gedränge, Halteverbote werden ignoriert und der Wandertag beginnt mit gereizten Nerven.

Dabei hat das Auto beim Wandern ein noch viel größeres, strukturelles Problem: Es zwingt dich zu einer Rundtour. Wer am Parkplatz startet, muss zwingend dorthin zurückkehren. Das schränkt die Routenwahl massiv ein und führt oft dazu, dass man Teile der Strecke doppelt geht oder langweilige Rückwege in Kauf nehmen muss.

Mit S-Bahn, U-Bahn und Regionalzügen im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) eröffnen sich echte Streckenwanderungen (Point-to-Point): Du steigst an Bahnhof A aus, überquerst Gebirgskämme, Täler oder Weinberge und fährst von Bahnhof B entspannt wieder nach Hause. Mit dem Deutschlandticket für 63 Euro monatlich oder dem HessenTicket (43,50 Euro für bis zu fünf Personen) sind sämtliche Fahrten abgedeckt. Noch ein entscheidender Vorteil: Nach der Tour kannst du in einer Straußwirtschaft oder Waldgaststätte ein Glas Riesling oder regionalen Apfelwein trinken, ohne dir Gedanken um Promillegrenzen oder den Rückweg im Stau machen zu müssen.

Hier sind fünf erprobte Streckenwanderungen ab Frankfurt mit exakten Kilometern, Höhenprofilen, Gehzeiten und Einkehrtipps.

Tour 1: Die Drei-Burgen-Tour im Vordertaunus (Kronberg nach Königstein)

Diese Tour verbindet mittelalterliche Burggeschichte mit schattigen Buchenwäldern und spektakulären Ausblicken auf die Frankfurter Hochhaus-Skyline.

  • Start: Bahnhof Kronberg im Taunus (S-Bahn S4 ab Frankfurt Hbf in 21 bis 23 Minuten, 30-Minuten-Takt).
  • Ziel: Bahnhof Königstein im Taunus (Königsteiner Bahn RB12 nach Frankfurt Hbf in 37 Minuten, 60-Minuten-Takt).
  • Streckenlänge: 10,2 Kilometer (reine Gehzeit ca. 3,0 bis 3,5 Stunden).
  • Höhenmeter: 310 Meter Aufstieg, 210 Meter Abstieg.
  • Wegebeschaffenheit: ca. 25 Prozent Asphalt und Altstadtpflaster, 45 Prozent befestigte Forstwege, 30 Prozent schmale Naturpfade mit Steintreppen.
  • Wegmarkierung: Das stilisierte Burgturm-Logo des Drei-Burgen-Wegs auf rotem Grund.

Routenverlauf

Vom Kopfbahnhof Kronberg spazierst du durch die verwinkelten Gassen der Kronberger Altstadt hinauf zur markanten Burg Kronberg mit ihrem hoch aufragenden Bergfried. Über den Viktoriapark führt der Pfad in den Hochwald, passiert die Waldflanke oberhalb des Opel-Zoos und steigt steil an zum Kocherfelsen und zur Teufelskanzel.

Vom Dettweiler Tempel eröffnet sich ein weiter Panoramablick über das gesamte Rhein-Main-Becken bis zu den Banktürmen der Mainmetropole. Weiter geht es vorbei an den mächtigen Mauern der Burgruine Falkenstein (460 Meter über Normalnull) und über den bewaldeten Reichenbachtalhang hinab nach Königstein. Zum Abschluss lohnt der Aufstieg auf die ausgedehnte Festungsruine Königstein, bevor es durch die Fußgängerzone hinunter zum Bahnhof der RB12 geht.

Einkehrtipp: Historische Gasthäuser und Cafés in der Kronberger Altstadt (vor dem Anstieg) oder das Café Heberer in der Fußgängerzone von Königstein.

Tour 2: Die Hochtaunusquerung über Altkönig und Fuchstanz (Hohemark nach Kronberg)

Die anspruchsvollste Tour der Auswahl führt dich über den zweithöchsten Berg des Taunus und durch ein eiszeitliches Geröllfeld.

  • Start: Oberursel-Hohemark (Endstation der U-Bahn U3 ab Frankfurt Hauptwache oder Südbahnhof in 33 bis 38 Minuten, 15- bis 30-Minuten-Takt).
  • Ziel: Bahnhof Kronberg im Taunus (S-Bahn S4 zurück nach Frankfurt).
  • Streckenlänge: 13,2 Kilometer (reine Gehzeit ca. 4,0 bis 4,5 Stunden).
  • Höhenmeter: 550 Meter Aufstieg, 600 Meter Abstieg.
  • Wegebeschaffenheit: 50 Prozent steinige Waldsteige und Felsenpfade, 40 Prozent Schotter-Forstwege, 10 Prozent städtischer Asphalt.
  • Wegmarkierung: Taunusklub-Wegzeichen 24, 37 und 39.

Routenverlauf

Direkt am Taunus-Informationszentrum an der Hohemark beginnt der Anstieg ins Urselbachtal. Informationen zu aktuellen Waldzuständen und Markierungen bündelt der Taunus Touristik Service vor Ort. Über steile Pfade erreichst du auf 634 Metern Höhe das Naturdenkmal „Weiße Mauer“, ein mächtiges Blockmeer aus Taunusquarzit, das in der letzten Eiszeit durch Frostverwitterung entstand. Die Überquerung der Quarzitblöcke verlangt absolute Trittsicherheit.

Über den Kamm geht es hinauf zum Gipfel des Altkönigs (798 Meter über Normalnull). Hier durchquerst du die zwei monumentalen Ringwälle einer keltischen Höhensiedlung aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert. Durch Buchenwälder steigst du anschließend hinab zum Bergsattel Fuchstanz (662 Meter).

Vom Fuchstanz leitet der historische Pflasterweg vorbei an der Felsgruppe Bürgelplatte und den weiten Hühnerbergwiesen direkt hinab nach Kronberg, wo dich die S4 alle 30 Minuten zurück nach Frankfurt bringt.

Kurz gesagt

Einkehr am Fuchstanz: Auf dem Bergsattel liegen zwei traditionsreiche Waldgaststätten nebeneinander („Fuchstanz Das Waldgasthaus“ und „Anitas Fuchstanz“). Hier gibt es heiße Erbsensuppe mit Würstchen, frischen Blechkuchen und Handkäs mit Musik. Wichtig für die Planung: Montag und Dienstag sind feste Ruhetage, und du solltest ausreichend Bargeld einstecken, da Kartenzahlung mitten im Wald nicht garantiert ist.

Tour 3: Riesling, Reben und Kloster Eberbach im Rheingau (Eltville nach Oestrich-Winkel)

Ein Kultur- und Landschaftsklassiker durch sanft geschwungene Weinberge, historische Adelssitze und eines der besterhaltenen mittelalterlichen Klöster Europas.

  • Start: Bahnhof Eltville am Rhein (VIAS Regionalbahn RB10 ab Frankfurt Hbf in 42 Minuten, 60-Minuten-Takt).
  • Ziel: Bahnhof Oestrich-Winkel im Ortsteil Mittelheim (RB10 zurück nach Frankfurt).
  • Streckenlänge: 18,5 Kilometer (reine Gehzeit ca. 4,5 bis 5,5 Stunden; lässt sich bei Bedarf ab Kloster Eberbach auf ca. 14 Kilometer abkürzen).
  • Höhenmeter: 410 Meter Aufstieg, 410 Meter Abstieg.
  • Wegebeschaffenheit: 50 Prozent asphaltierte Wirtschaftswege durch die Reben, 35 Prozent Waldpfade, 15 Prozent Ortspflaster.
  • Wegmarkierung: Das blaue „R“ des Rheinsteigs auf der Haupttrasse, gelbe Zuweg-Logos an den Bahnhöfen.

Routenverlauf

Vom Bahnhof Eltville geht es zunächst zur Kurfürstlichen Burg direkt an der Uferpromenade. Durch die weltberühmten Weinbergslagen wanderst du nordwärts in das gotische Weindorf Kiedrich mit seiner trutzigen Pfarrkirche St. Valentinus und der Burgruine Scharfenstein. Ein Waldweg oberhalb des Kisselbachtals führt dich direkt zum Zisterzienserkloster Eberbach, dessen romanische Basilika und monumentale Weinkeller 1985 als Drehort für den Filmklassiker Der Name der Rose dienten.

Entlang der historischen Klostermauer des Weinbergs Steinberg führt der Weg über die Rebhänge oberhalb von Hallgarten zu Schloss Vollrads mit seinem mittelalterlichen Wasserturm. Von dort leitet ein ausgeschilderter Rheinsteig-Zuweg durch die Weinberge hinab zum Bahnhof Oestrich-Winkel.

Baustellen-Hinweis Herbst 2026

Aufgrund der Generalsanierung der rechten Rheinstrecke durch die Deutsche Bahn ist der Schienenabschnitt zwischen Wiesbaden Hbf und Neuwied im zweiten Halbjahr 2026 voll gesperrt. Die Züge der Linie RB10 enden in Wiesbaden Hbf; zwischen Wiesbaden, Eltville und Oestrich-Winkel verkehren getaktete Ersatzbusse (SEV). Plane für die An- und Abreise etwa 25 bis 35 Minuten mehr Fahrzeit ein.

Einkehrtipp: Klosterschänke Eberbach mit Weinen der Hessischen Staatsweingüter oder die Gutsschänke von Schloss Vollrads. Im September und Oktober schenken zahlreiche Winzer in temporären Straußwirtschaften frischen Federweißen und ofenwarmen Zwiebelkuchen aus.

Tour 4: Der Burgensteig an der Bergstraße (Zwingenberg nach Bensheim)

An der Nahtstelle zwischen sonnenverwöhnter Rheinebene und steil aufsteigendem Odenwald erwartet dich ein mediterran anmutendes Landschaftsbild.

  • Start: Bahnhof Zwingenberg an der Bergstraße (Main-Neckar-Bahn RE60 oder RB67 ab Frankfurt Hbf in 38 bis 45 Minuten, durchgehender Halbstundentakt).
  • Ziel: Bahnhof Bensheim (RE60 / RB67 / RB68 zurück nach Frankfurt Hbf).
  • Streckenlänge: 12,6 Kilometer (reine Gehzeit ca. 3,5 bis 4,0 Stunden).
  • Höhenmeter: 380 Meter Aufstieg, 370 Meter Abstieg.
  • Wegebeschaffenheit: 50 Prozent naturnahe Waldpfade und Hohlwege, 30 Prozent geschotterte Parkwege, 20 Prozent Asphalt.
  • Wegmarkierung: Das blaue Burgturm-Symbol des Burgensteigs Bergstraße.

Routenverlauf

Vom ältesten Städtchen an der Hessischen Bergstraße steigst du vom Bahnhof Zwingenberg durch den historischen Altstadtkern mit seinen Fachwerkhäusern steil in die Rebanlagen am Hang des Melibokus ein. Durch schattige Löss-Hohlwege erreichst du auf 340 Metern Höhe das mächtige Auerbacher Schloss. Von den beiden begehbaren Türmen blickst du meilenweit über die hessische und rheinland-pfälzische Rheinebene.

Über schmale Waldserpentinen geht es hinab ins Mühltal und direkt in den Staatspark Fürstenlager. Die frühere Sommerresidenz der Landgrafen von Hessen-Darmstadt ist ein englischer Landschaftsgarten mit mehr als 40 historischen Gebäuden, Hofmeierei und über 200 Jahre alten Mammutbäumen (den ältesten Exemplaren auf deutschem Boden). Über den aussichtsreichen Kirchberg führt der Weg schließlich hinab zum Bahnhof Bensheim.

Gesundheitshinweis für den Spätsommer: Der Landkreis Bergstraße ist ein vom Robert Koch-Institut ausgewiesenes FSME-Risikogebiet. Zecken sind bei milder Herbstwitterung bis in den November hinein aktiv. Trage geschlossene Kleidung, bleibe auf den Hauptpfaden und suche deinen Körper nach der Tour sorgfältig ab.

Einkehrtipp: Die Burgschenke im Auerbacher Schloss mit Panoramaterrasse oder das Herrenhaus-Café im Fürstenlager.

Tour 5: Taunus-Panoramen zwischen Kaisertempel und Rossert (Eppstein nach Lorsbach)

Wer Ruhe, dichte Mischwälder und weite Blicke ohne Touristenströme sucht, findet in den Vordertaunus-Tälern westlich von Frankfurt die perfekte Route.

  • Start: Bahnhof Eppstein (S-Bahn S2 ab Frankfurt Hbf in 25 bis 28 Minuten, 30-Minuten-Takt).
  • Ziel: Bahnhof Lorsbach (S-Bahn S2 zurück nach Frankfurt).
  • Streckenlänge: 11,8 Kilometer (reine Gehzeit ca. 3,0 bis 3,5 Stunden).
  • Höhenmeter: 360 Meter Aufstieg, 380 Meter Abstieg.
  • Wegebeschaffenheit: 60 Prozent naturnahe, stellenweise wurzelige Waldpfade, 30 Prozent Forstwirtschaftswege, 10 Prozent Ortsstraßen.
  • Wegmarkierung: Taunusklub-Hauptweg 021 (schwarzer Balken auf weißem Grund).

Routenverlauf

Gleich hinter dem hübschen Bahnhofsgebäude von Eppstein windet sich ein schmaler Pfad in Serpentinen hinauf zum neugotischen Kaisertempel auf 270 Metern Höhe. Die Säulenrotunde thront auf einem Felssporn hoch über dem Schwarzbachtal und bietet einen Postkartenblick auf die Reichsburg Eppstein und das Altstadtensemble.

Weiter führt der Weg stetig bergan durch Buchen- und Eichenbestände zur Kuppe des Rossert-Massivs (515 Meter über Normalnull). Die Felsformationen aus hartem Taunusquarzit wirken wie verwunschene Felsburgen mitten im Hochwald. Über einsame Waldwege durch das ruhige Daisbachtal wanderst du schließlich bergab direkt zum S-Bahnhof im idyllischen Stadtteil Lorsbach.

Einkehrtipp: Das Restaurant am Kaisertempel mit Aussichtsterrasse oder gemütliche Gasthöfe in Eppstein und Lorsbach.

Der ehrliche Ausrüstungs- und Sicherheitscheck für den Herbst

Wandern im Herbst hat einen besonderen Reiz, stellt aber andere Anforderungen als eine Sommertour:

1. Feste Stiefel statt Straßen-Sneaker

Herabgefallenes Buchen- und Eichenlaub verdeckt rutschige Baumwurzeln und spitze Steinkanten. Vor allem die Quarzitfelsen an der Weißen Mauer (Tour 2) und am Rossert (Tour 5) werden bei Herbstnebel oder feuchter Witterung seifenglatt. Knöchelhohe Wanderstiefel der Kategorie B mit tief profilierter Gummisohle sind Pflicht, um Umknickverletzungen zuverlässig zu verhindern.

2. Offline-Karten gegen das Funkloch

Während auf den Bergkämmen guter LTE- und 5G-Empfang herrscht, reißen Mobilfunkverbindungen in den tiefen Tälern (Schwarzbachtal, Daisbachtal, Urselbachtal) regelmäßig ab. Speichere dir deine Wanderroute vor dem Aufbruch in Apps wie Komoot oder Outdooractive offline auf dem Smartphone ab. Da die GPS-Ortung bei kühleren Temperaturen viel Akkukapazität verbraucht, gehört eine kleine Powerbank in jeden Rucksack.

3. Hirschbrunft und Wildwechsel

Der September markiert die Hauptbrunftzeit des Rotwilds in den Wäldern des Hochtaunus. Verlasse die markierten Wanderwege nicht, meide Wanderungen in der Dämmerung und führe Hunde im Wald stets an der Leine, um Wildtiere nicht aufzuschrecken.

Wandern ab Frankfurt braucht kein eigenes Auto. Wer den Rucksack packt und am Bahnhof einsteigt, spart Sprit, Geld und Nerven und entdeckt die schönsten Höhenzüge Hessens von ihrer nachhaltigsten Seite.

Wie du Tagesausflüge und Wochenendtrips ohne Auto noch besser planst, liest du im Wissensindex in der Checkliste: Wochenendtrip ohne Auto planen sowie im Entscheidungs-Guide Was ist ein Deutschlandticket wirklich wert.

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